Öhningen 20.09.2011

Frühes Werben um Touristen

Öhningen-Wangen – „Viele Grüße vom Bodensee. Ich plansche hier herum und bleibe dumm.“ Kuriose Feriengrüße wie diese waren auf Postkarten zu lesen, die Bestandteil einer Ausstellung zur Geschichte des Tourismus in Wangen waren und anlässlich der Museumsnacht am Wochenende in der Kulturscheune „Bootsstüble“ in Wangen gezeigt wurden.

Die Initiatoren der Ausstellung vom Gäste-, Kultur und Dorfverein des Öhninger Ortsteils hatten sich im Vorjahr an gleicher Stelle mit dem bäuerlichen Landleben beschäftigt. Diesmal nahmen sie die Entwicklung des Fremdenverkehrs in dem Dorf unter die Lupe, das seit 1986 staatlich anerkannter Erholungsort ist. Als Dorfvereinsvorsitzende Vera Floetemeyer zusammen mit Christine Singer, Barbara Strassner-Schnur, Helmut Fiedler und Lothar Kickel die zahlreichen Objekte sichteten, die ihnen aus der Bevölkerung zugingen, stellten sie Erstaunliches fest, was sich nun auch in der Ausstellung im „Bootsstüble“ widerspiegelte. Früh und als erste Gemeinde am Untersee hatte man beispielsweise schon einen Landungssteg, an dem nicht nur Gemüseschiffe anlegten, sondern zu Erholungszwecken auch erste Passagiere an Land gingen. Sie trafen auf ein Dorf, das sich spätestens um die Jahrhundertwende von 1900 vom bäuerlichen Dorf zum gutbürgerlichen Erholungsort wandelte.

Dementsprechend stammten die ersten der am Wochenende in der Kulturscheune ausgestellten Ansichtskarten auch aus jener Zeit. Die älteste war ein Feriengruß von 1892 ins benachbarte Gailingen. Den Besuchern standen im Laufe der Jahre nicht weniger als sechs Gasthöfe zur Verfügung: Adler, Auer, Frieden, Krone, Seestern und Seestuben. Darüber hinaus wurde ab 1938 mit neuen Kuranlagen am See geworben.

Die frühere Bedeutung des jüdischen Bevölkerungsanteils in Wangen spiegelte sich im Vorhandensein einer jüdischen Jugendherberge wider, in der Jugendliche aus ganz Deutschland bis Mitte der 30er-Jahre unbeschwerte Ferien verbringen konnten, ehe die Herberge dann von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde.

Bezeichnend für das Aufblühen des Tourismus in dieser kleinen Hörigemeinde war auch, dass sich hier schon vor hundert Jahren ein „Verkehrsverein Untersee und Rhein“ bildete. Die Nachfolger aus der Gegenwart hatten im „Bootsstüble“ nicht nur zahlreiche Unterlagen wie Schriftstücke, Postkarten, Speisekarten und Gästebücher zusammengetragen, sondern – als Hinweis auf den Campingplatz – auch richtige Zelte aufgeschlagen und alte Hinweisschilder auf die Gaststätten aufgerichtet. Als besonderer Gag waren im Eingangsbereich der Kulturscheune Kleidungsstücke und Accessoires bereit gelegt, in denen bzw. mit denen man sich ablichten lassen konnte. Viele Besucher machten in der Museumsnacht Gebrauch davon und nahmen so ein schönes Souvenir von einer denkwürdigen Ausstellung mit nach Hause.


Öhningen 23.05.2011

Jazzpassagen im Bootsstüble

Von Schiffen und Meeren – Jazz und mehr im Bootsstüble in Wangen

Das Bootsstüble in Wangen eröffnet die traditionelle Kultursommer-Saison dieses Jahr mit der Schauspielerin Claudia Godart, die ihr zweites Soloprogramm „Wellenlängen und Breitengrade – Jazzpassagen“ präsentiert. In der Rolle der Barsängerin Bonnie Delayne, „singt und spielt sie sich mit ihrer ausdrucksintensiven Stimme unter die Haut der Zuhörer“ und entführt das Publikum in die längst vergangene Zeit der Dreißiger Jahre, als das Reisen noch mehr war als „warten auf das Ankommen“, so die Pressemitteilung. Sie erzählt und singt von Schiffen und Meeren, Männern und Frauen, Hotels und bunten Kofferaufklebern. Die Swing- und Jazzklassiker sind am Klavier von Michael Kriegs ergänzt. Gitarre spielt Laslo Feher.

„Wellenlängen und Breitengrade“ ist nach dem Erfolg von „Via Sarandi No.2“ der zweite Teil einer Quadrologie musikalischer und literarischer Leckerbissen zu unterschiedlichen Themen und knüpft an die alte Tradition von Kunst und Kultur in den großen und kleinen Salons, fernab der großen Theater. Zu sehen und zu hören sind die Reisegeschichten am Freitag, 27. Mai um 20.30 Uhr im Bootsstüble in Wangen, Telefon 07735/440 662.


Öhningen 21.05.2011

Angebote für den Forschergeist

Erstmals ist das Bootsstüb le Wangen Teilnehmer der bundesweiten Naturerlebniswoche. Diese ist eine Aktion, welche in Baden-Württemberg von der Akademie für Natur- und Umweltschutz koordiniert wird.
Im Bootsstüble Wangen werden vielfältige Aktivitäten zu Umwelt- und Naturschutzthemen angeboten. Junge und erwachsene Hobbyforscher können sich Anfang Mai zusätzlich an der bundesweiten Naturerlebniswoche beteiligen.
Es wird großer Wert auf hohe Qualität gelegt. Die Anbieter der meist pädagogischen Veranstaltungen sind Museen und Naturschutzzentren, welche zu verschiedenen naturpädagogischen Angeboten einladen. Nach einem Lehrgang an der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg in Stuttgart nehmen die verschiedenen Anbieter ihre Arbeit auf.
Für das Bootsstüble Wangen ist es kein neuer Bereich. Bereits seit 2006 macht Natur und Umwelt einen großen Schwerpunkt des Angebots aus. Der Auftakt dazu waren zwei Plenums-Projekte, die mit verschiedenen Partnern durchgeführt wurden.
Das eine Projekt hatte den naturverträglichen Tourismus zum Inhalt. In zahlreichen Schulungen, Exkursionen und Besprechungen mit dem NABU wurden sowohl die Problematik der Kanufahrer in sensiblen Gebieten des Untersees sowie die Besonderheiten dieses Reviers im Sinne der Artenvielfalt von Flora und Fauna erarbeitet. Die Mitarbeiter des Bootsstüble wurden durch die Schulungen und Exkursionen befähigt, die Teilnehmer von Kanutouren über die Wasservögel und die vielfältigen Ufer- und Wasserpflanzen wie beispielsweise den Strandrasen und das Bodensee-Vergissmeinnicht zu informieren.
In einem zweiten von Plenum geförderten Projekt wurden gemeinsam mit der Hermann-Hesse-Schule in Gaienhofen als Projektpartner Module erarbeitet, welche an den Lehrplan der verschiedenen Klassenstufen angepasst sind und mit dem Kanu beziehungsweise am Ufer durchgeführt werden. So entstanden eine fischkundliche und eine vogelkundliche Klassenfahrt, welche an Unterrichtsinhalte anknüpfen. Seitdem bietet das Bootsstüble naturkundliche Exkursionen für alle Altersstufen, einschließlich Kindergartenalter an. Auch Familien, Vereine und Festgesellschaften können Touren mit naturkundlichem Schwerpunkt buchen. Inzwischen wurden darüber hinaus weitere Inhalte für die Touren erarbeitet, so dass Kanufahrten mit nautischer oder kulturhistorischer Ausrichtung ebenso zum Programm gehören wie Gruppentouren, in denen die Stärkung der sozialen Kompetenzen der Teilnehmer im Mittelpunkt stehen.
Es ist der Bootsstüble-Crew eine Herzensangelegenheit, die Tour mit dem Kanu durch diese Inhalte zu bereichern und den Gästen die Besonderheiten der Region näher zu bringen. Deshalb kosten Touren mit inhaltlicher Ausrichtung nicht mehr als reine Freizeitfahrten mit Wasserspaß und Grillpause. Übrigens: Die vogel- oder fischkundlichen Exkursionen machen trotz – oder gerade wegen – der inhaltlichen Ausrichtung großen Spaß.


Öhningen 22.6.2011

Erzähltheater aus Freiburg zu Gast

Verschiedene Geschichten stehen auf dem Programm des „Erzähltheaters“ mit Rosa Müller-Gantert vom Theater Karawane in Freiburg, das am Samstag, 25. Juni, im Bootsstüble in Wangen gezeigt wird.
„Ich erzähl euch Geschichten. Traut mir“ heißt das Programm, das paradiesische, exotische und merkwürdige Erzählungen beinhaltet. Sie werden mit Sprache, Gegenständen und Theater-Bilder-Büchern inszeniert. Unter anderem kommen Geschichten von Isaac Singer, eine Erzählung des argentinischen Autors Horacio Quiroga und die venezianische Legende nach Jeannette Winterson auf die Bühne. Beginn ist um 20.30 Uhr.


Öhningen 27.6.2011

Gedichte erlebbar machen

Dass man mit Minimalismus und Purismus ein abendfüllendes Unterhaltungsprogramm bieten kann, bewiesen am Freitagabend im Bootsstüble Wangen Johannes Hermann und Peter Kraul mit ihrem „Musikalischen Jongliertheater“ vor rund 60 Zuschauern. Das Bühnenbild: Ein Klappstuhl und ein alter, großer Lederkoffer. Die Musik: Ein Einmann-Orchester mit Klarinette, Trommel und Becken. Die Kostüme erinnerten an die Garderobe von Stan Laurel und Oliver Hardy alias „Dick und Doof“. Das Programm: Rezitationen von Christian Morgenstern, umrahmt von Jonglage, Balance und Musik. Aus diesen Zutaten entwickelte sich ein Programm, das erstaunte, verwunderte und verzauberte.
Johannes Hermann hat sich bei der Entwicklung des Programms von seiner Intuition leiten lassen. Peter Kraul stellte die passende Musik zusammen. Die sogenannte „Klezmermusik“, die durch ihre charakteristischen, an die menschliche Stimme erinnernden Melodielinien erkennbar ist, bot eine hervorragende Untermalung und trug den Zuhörer durch die Gedichte. Die Künstler erläuterten: „Unser Ziel ist es, dem Publikum die Farben und das Bild eines Gedichtes zugänglich zu machen. Wir wollen mithilfe der Jonglage und der Musik Impulse setzen und so die Fantasie anregen.“ Die komische Lyrik und der teils scharfsinnige Sprachwitz des Dichters traf in Verbindung mit der außergewöhnlichen Darstellung den Nerv des Publikums und bot einen Lach- und Schmunzel-Faktor.
Das Bootsstüble Wangen ist für diese Art der Veranstaltung sicherlich die ideale Kulisse gewesen. Auf dem Dachboden einer alten Scheune, nur mit Klappstühlen ausgestattet, bietet sie ein ganz besonderes Ambiente. Die privat und uneigennützig durchgeführten Kulturveranstaltungen, die dort regelmäßig stattfinden, sind zwischen den kommerziellen Veranstaltungen auf großen Bühnen wahrlich ein Kleinod. Informationen zum Programm und für diejenigen, die den privaten Veranstalter unterstützen möchten, gibt es unter Telefon 07735/440-662.


Öhningen 27.06.2011

Der Austritt

Wissen Sie, was ein Austritt ist? Nein? Das ist das Pendant zum Eintritt. Ein netter Ausdruck, der vom Veranstalter wohl überlegt ist. Das Bootsstüble im Öhninger Teilort Wangen, das seit nunmehr 14 Jahren ein beachtliches kulturelles Programm auf die Beine stellt, lockt nicht nur mit einer aussergewöhnlichen Räumlichkeit, nämlich einem blankgeputzten Dachboden eineralten Scheune an See, sondern überzeugt auch durch ganz besondere Zahlungsmodalitäten. der Eintritt für die jeweiligen Veranstaltungen ist stets frei. Am Ende der Darbietungen steht dann am Ausgang eine große blecherne Milchkanne für den Obulus bereit und der Zuschauer zahlt, was ihm die gerade gesehene Vorstellung wert war. Das nenn ich fair. Ich wüßte auf Anhieb einige Kino-, Theater-, Lesungs- und Freizeitparkbesuche, bei denen ich lieber auch "Austritt" gezahlt hätte. Nämlich am besten nichts. Wer aber Kleinkunst liebt, der weiß das Repertoire des Wangener Bootsstüble zu schätzen und zahlt bei "Austritt" doch gerne.

Nicola M. Westphal